Loading

Demenz und Freundschaft

Freundschaft zu Menschen mit Demenz: Empfehlungen für Freunde

Ein Interview mit Regina Fischlin

 

Das Leben mit einer Demenz ist eine Herausforderung für die Betroffenen, aber auch für ihr soziales Umfeld. Wie kann man als Freund, als Freundin mit dieser neuen Situation umgehen? Erfahren Sie es im Interview mit Regina Fischlin, ehemaliger Beraterin am Alzheimer-Telefon von Alzheimer Schweiz.

Eine Demenzerkrankung kann eine Freundschaft auf die Probe stellen. Was braucht es, damit man mit der Situation umgehen kann?
Zuerst einmal ist es wichtig, dass die kranke Person ihre Freunde informiert und diese sich erkundigen, was es heisst, mit einer Demenz zu leben. Das hilft ihnen, Verhaltensveränderungen wahrzunehmen und richtig zu interpretieren. Wenn sich zum Beispiel die erkrankte Person nicht mehr meldet, kann das Gefühl aufkommen, sie interessiere sich nicht mehr für ihre Freunde. Weiss man über die Krankheit Bescheid, versteht man besser, was los ist. Man kann dann erkennen, dass das Sichzurückziehen zur Krankheit gehört, wie auch die fehlende Initiative. 

Wie kann man seinen Freund, seine Freundin unterstützen?
Es ist wichtig, die kranke Person selbst zu fragen, worin sie Hilfe benötigt. Später, wenn das nicht mehr geht, ist der Kontakt zur Familie zentral. Für Menschen mit Demenz ist es vorrangig, dass sie weiterhin aktiv bleiben können. Mit einer Demenz wird allerlei plötzlich schwierig und später unmöglich, sei es das Auffinden der Garderobe beim Sport oder das Autofahren. Hier können Freunde eine Brücke sein. Freunde können bei einzelnen Aufgaben, die selbstständig nicht mehr zu meistern sind, helfen und somit der Person mit Demenz ermöglichen, Aktivitäten, die ihr viel bedeuten, weiterhin auszuüben.

Wie sieht es aus, wenn die Demenz fortgeschritten ist?
Ab einem gewissen Punkt ist weniger mehr. Man kann beispielsweise zusammen einen Kaffee trinken gehen oder gemeinsam einen Spaziergang machen. Es kann sein, dass auf die Frage, ob man vorbeikommen soll, keine klare Antwort mehr kommt. Das bedeutet aber nicht, dass er oder sie sich nicht über einen Besuch freut. Wenn die Krankheit wirklich fortgeschritten ist, bleibt die Nähe zu Freundinnen oder Freunden sehr wertvoll. Nicht zu vergessen ist, dass Freunde durch ihre regelmässige Anwesenheit den Angehörigen, und sogar dem Pflegepersonal, Kraft und Hoffnung schenken.

Wie kann man sich selber schützen?
Die Freiheit gehört zur Freundschaft. Es besteht kein Engagement wie z.B. bei einer Ehe oder Mutter-Kind-Beziehung. Wichtig ist, dass man weiterhin sich und anderen Freude bereitet und sich dabei wohlfühlt. Wenn dies der Fall ist, bin ich sicher, dass es auch der kranken Freundin, dem kranken Freund guttut. Und sollte man mal in einer Situation nicht weiterwissen, kann man sich an eine Beratungsstelle wie das Alzheimer-Telefon wenden.