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Demenzformen und Ursachen


«Demenz» ist ein Überbegriff für zahlreiche chronisch-fortschreitende Gehirnerkrankungen, die sich durch eine Störung von mehreren Hirnleistungsbereichen, also nicht ausschliesslich des Erinnerungsvermögens, äussern und progressiv zum Verlust der Selbstständigkeit führen. Es sind heute über hundert solche Krankheiten bekannt, wovon die meisten nur sehr selten auftreten.


Die Alzheimerkrankheit ist die häufigste Form der Demenz (ca. 50%). Die zweithäufigste Form (ca. 20%) ist die vaskuläre (also gefäss- und durchblutungsbedingte) Demenz. Oft liegen Mischformen vor, besonders im höheren Alter. Das grösste Risiko, an einer Demenz zu erkranken, ist das Alter. Nicht jede Gedächtnisstörung ist aber eine beginnende Demenz! Auch im normalen Alterungsprozess geht die geistige Leistungsfähigkeit zurück, was sich durch eine gewisse Vergesslichkeit äussern kann. Deswegen haben viele ältere Menschen das Gefühl, an Demenz zu erkranken. Mittels neuropsychologischer Testverfahren lässt sich eine altersbedingte Gedächtnisstörung jedoch klar von einer beginnenden Demenz abgrenzen.

 

Alzheimer-Demenz / Alzheimer-Krankheit

Die nach ihrem Entdecker Alois Alzheimer benannte, 1906 erstmals beschriebene Krankheit ist auf den fortschreitenden Abbau von Nervenzellen im Gehirn zurückzuführen. Dieser führt zum progressiven Versagen der verschiedenen Hirnfunktionen. Zugleich kommt es zu einem Mangel an körpereigenen Botenstoffen, die für den Austausch von Informationen zwischen den Gehirnzellen verantwortlich sind.

 

Was zu diesen krankhaften Veränderungen führt, ist noch nicht bekannt. Der Abbau findet in Hirnregionen statt, die wichtige geistige Funktionen wie Gedächtnis, Sprache, Planen, Handeln und die zeitliche und räumliche Orientierung steuern. Die wahrnehmbare Krankheitsdauer beträgt im Durchschnitt etwa sieben bis neun Jahre.

 

Von Alzheimer oder einer anderen Demenzkrankheit sind schätzungsweise 3% der Sechzigjährigen betroffen. Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter. Ab 60 Jahren geht man von einer Verdoppelung der Häufigkeit alle 5 Jahre aus. Es gibt jedoch auch seltene Formen der Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn, die schon in jüngeren Jahren, in sehr seltenen Fällen bereits ab Anfang 30, auftreten können. Dabei können sporadische genetische Abweichungen eine Rolle spielen. Die familiären Formen der Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn, die autosomal dominant vererbbar sind, machen etwa 1-2% der Alzheimer-Demenzen aus. 

 

Vaskuläre Demenz

Die vaskuläre oder gefässbedingte Demenz entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn, die lokal zu einem Absterben von Hirnzellen führen. Die Durchblutungsstörungen wiederum sind die Folge von Schädigungen der Blutgefässe, etwa durch Gefässverengungen, Gefässentzündungen oder Blutungen. Dabei können sehr kleine Blutgefässe geschädigt sein (Morbus Binswanger), oder es können mehrere kleine Gehirnregionen durch Multiinfarkte zerstört sein. Ein  Hirnschlag oder eine Streifung hat die Zerstörung grösserer Hirnareale zur Folge. Viele Mikro-Infarkte geschehen ganz unbemerkt. Zu den oft schleichend auftretenden Hauptsymptomen gehören kognitive Störungen im zeitlichen Zusammenhang mit einer vaskulären Erkrankung, vermehrte Stimmungsschwankungen, fluktuierender Verlauf und schrittweise Verschlechterung. Je nach Hirnregion, wo die Mikro-Infarkte auftreten, können unterschiedliche neurologische Symptome hinzukommen. Ursächlich für vaskuläre Demenzen sind z.B. Bluthochdruck und Diabetes (Typ II). Als Risikofaktoren gelten weiter Bewegungsmangel, Rauchen und eine Ernährung, die zu reich an ungesunden Fetten ist (was zu überhöhten Cholesterinwerten führt).

 

Weitere Demenzformen

Etwa 20% aller Demenzen verteilen sich auf seltenere Demenzformen, darunter insbesondere die oft vor dem Rentenalter auftretenden frontotemporalen Demenzen (von der es mehrere Unterformen gibt), die Lewy-Körper-Demenz, die Parkinson-Demenz, die sehr seltene Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die Demenz bei Down-Syndrom, das alkoholbedingte Korsakow-Syndrom und weitere sehr seltene, hier nicht aufgeführte Formen der Demenz.

 

Reversible Demenzformen

Bestimmte körperliche und psychische Krankheiten können ähnliche Störungen hervorrufen wie eine Demenzkrankheit, jedoch ohne definitive Schädigung des Gehirns, sofern die auslösenden Faktoren rechtzeitig behoben oder behandelt werden. Wichtigste Ursachen von demenzähnlichen Symptomen sind Depressionen, Stoffwechselstörungen sowie Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.

 

Demenzform   

Anfangssymptome

Alzheimerkrankheit   

Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Wortfindungsstörungen

Vaskuläre Demenz   

Verlangsamung im Denken und Handeln, Stimmungsschwankungen

Frontotemporale Demenz im engen Sinn, Pick-Krankheit

Verhaltensauffälligkeiten wie Kontrollverlust, Enthemmung und Aggressivität; Persönlichkeitsveränderungen

Semantische Form der frontotemporalen Demenz

Erkennungs- und Sprachverständnissstörungen

Primär progressive Aphasie (Form der frontotemporalen Demenz)

Beeinträchtigung der Wortwahl und des Sprechflusses

Lewy-Körper-Demenz   

Fluktuierende kognitive Störungen, parkinsonähnliche Bewegungsstörungen, Halluzinationen

Parkinson-Demenz

Bewegungsstörungen, kognitive Symptome erst im späteren Krankheitsverlauf

Korsakow-Syndrom

Schwere Beeinträchtigung insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses

Creutzfeldt-Jacob-Krankheit   

Sehr rascher kognitiver Abbau, psychische Veränderungen, Bewegungsstörungen

Demenz bei Down-Syndrom

Häufig schwer erkennbarer Demenzbeginn, erschwerte Alltagsbewältigung, Verhaltensveränderungen

 

 

Juni 2015