Bundespräsidentin Doris Leuthard zum Weltalzheimertag

Donnerstag, 21. September 2017

 

tl_files/Infothek/bilder andere/Leuthard_Doris.jpgWie reagieren, wenn sich jemand selber verliert? Unsere auf Rationalität und Effizienz getrimmte Gesellschaft steht vor Fragezeichen. Wie gehen wir mit dem Vergessen um? Früher wurden solche Veränderungen der Persönlichkeit schnell als Altersstarrsinn oder selektives Hören schubladisiert. Er oder sie ist eben mit zunehmenden Alter etwas seltsam geworden – aus der Sicht der sogenannt Normalen. Nur schnell wieder zurück in den gewohnten Alltagstrott. Heute wissen wir: Alzheimer und andere Demenzkrankheiten müssen die Zivilgesellschaft beschäftigen! Wir sind es den betroffenen Menschen schuldig. Wir sind es aber auch jenen Menschen schuldig, die sich aufopfernd um sie kümmern.

 

Natürlich dürfen wir dabei immer auf medizinischen Fortschritt oder psychiatrische Hilfe hoffen. Selbstverständlich muss auch das Netzwerk tragen, bestehend aus Gesundheitswesen, Altersvorsorge oder den verschiedenen Hilfsorganisationen. Das alleine genügt jedoch nicht. Weder Erkrankte noch deren persönliches Umfeld dürfen allein gelassen werden. Gerade Letztere sind es, die immer wieder einspringen, die das System entlasten, selber aber oft an ihre Grenzen stossen. Egal, ob es sich um Menschen mit einer physischen oder psychischen Beeinträchtigung handelt, sie alle haben Anrecht darauf, respektiert zu werden. Sie haben das Recht auf ein würdiges Altern. Sie haben das Anrecht darauf, trotz allem am Leben teilzuhaben.

 

Wir, die Gesunden, sind gefordert. Wir müssen hinschauen, zuhören, unterstützen, integrieren. Ich rufe alle Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde, Arbeitskolleginnen und -kollegen und Vorgesetzte auf: Nehmen Sie sich trotz all der Hektik Zeit, geben Sie Raum, damit Menschen mit Demenzerkrankung nicht vergessen gehen, und sich Angehörige, die Menschen mit Demenz pflegen und betreuen, nicht überfordern und darob selber erkranken.

 

Ich danke Ihnen allen für Ihre Geduld und Ihr Feingefühl, für Ihren Humor und Ihr Verständnis.

 

Doris Leuthard

Bundespräsidentin

 

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