Internationaler Frauentag: Demenz ist viel häufiger bei Frauen!

Mittwoch, 8. März 2017

 

Der Internationale Frauentag am 8. März bietet einen Anlass, die besondere Situation von Frauen im Kontext Demenz unter die Lupe zu nehmen. Denn Demenz ist ein stark weiblich geprägtes Thema, und das gleich in dreifacher Hinsicht:

 

  1. Frauen sind überproportional häufiger als Männer an Demenz erkrankt:  Nach den neuesten Zahlen von Alzheimer Schweiz leben aktuell 48'242 Frauen und 15'711 Männer im Alter von 85 Jahren und älter mit einer Demenzerkrankung in der Schweiz. Dies entspricht einer durchschnittlichen Prävalenzrate für diese Altersgruppe von 40% von Frauen (im Vergleich zu 27% für Männer).
  2. Frauen sind häufig pflegende Angehörige ihrer (Ehe-)Partner oder ihrer Eltern:  Frauen sind in der Rolle der Pflegenden meist Mehrfachbelastungen ausgesetzt. Sind sie selbst bereits schon älter, stellen die Aufgaben der Angehörigenbetreuung besonders hohe körperlichen und psychischen Anforderungen dar. Im mittleren Alter haben sie neben der Betreuung und Pflege ihrer demenzkranken Eltern meist auch noch Verpflichtungen im Rahmen ihrer Kernfamilie zu erfüllen (z.B. die Betreuung minderjähriger Kinder, Haushaltführung) oder sind berufstätig. Diese Anforderungen sind Stressfaktoren, die selbst wiederum als Risikofaktoren für Demenzerkrankungen gelten.
  3. Frauen stellen die Mehrheit der professionellen sowie ehrenamtlichen Pflegenden:  Pflegeberufe sind noch immer hauptsächlich Frauenberufe. Auch weiterhin sind es mehrheitlich Frauen, die in der ambulanten und stationären Langzeitpflege tätig sind oder die Betroffenen zu Hause begleiten. Dies gilt sowohl für bezahlte wie für ehrenamtlich erbrachte Arbeitsleistungen.

Noch liegen erst wenige Forschungsergebnisse vor, welche explizit demenzkranke Frauen im Fokus haben und geschlechtsspezifischen Besonderheiten der Krankheit untersuchen. Die höhere Prävalenz von Demenz bei Frauen wird sowohl in der Forschungsliteratur wie auch in politischen Diskussionen thematisiert. Bislang werden jedoch nur wenige Massnahmen entwickelt und implementiert. Diese vorliegenden Forschungsergebnisse müssen zukünftig noch stärker genutzt werden, um mehr geschlechtsspezifische Behandlungsansätze zu entwickeln. Anbei eine Auswahl interessanter Projekte:

Eine gute Übersicht der internationalen Situation findet sich im Jahresbericht 2015 von Alzheimer’s Disease International (ADI). Dort wurden die wichtigsten demenzbezogenen Probleme aufgezeigt, mit denen Frauen weltweit konfrontiert sind. Der Bericht kann unter ‘Women and Dementia; a global research review’ heruntergeladen werden.

 

Im World Journal of Psychiatry wurde 2016 eine Studie publiziert, welche als mögliche Ursachen für die Geschlechtsunterschiede Östrogenrückgang bei Frauen und oder eine grössere kognitive Reserve bei Männern (bedingt durch lange Phasen der Berufstätigkeit) als Schutzfaktor diskutiert.

 

Ebenfalls 2016 wurde in der Schweiz das Woman's Brain Project gegründet. Das Ziel der interdisziplinären Nicht-Regierungsorganisation ist es, die wissenschaftliche Diskussion zur spezifischen Vulnerabilität des weiblichen Gehirns für psychiatrische und neurodegenerative Erkrankungen voranzubringen. Ein weiteres Ziel ist, besser auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen einzugehen, Optimierungen anzuregen und die Erkenntnisse in der Öffentlichkeit besser bekannt zu machen.

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